Sonntag, 23. Oktober 2011

Postkarten

In Zeiten von Smartphones, in denen das Statusupdate plus Foto der gerade besuchten (unglaublich angesagten) Location ratzfatz auf Facebook hochgeladen ist, scheinen Postkarten unglaublich altmodisch zu sein.

Viel mühseliger als der Schnappschuss mit der Handycam ist es doch, sich für ein Postkartenmotiv zu entscheiden, dann handschriftlich etwas draufzuschreiben, Adresse rauskramen (da muss man oft schon vorher dran denken, die überhaupt zur Hand zu haben), Briefmarke besorgen und dann noch einen Postkasten finden. Neben dem hohen Zeitaufwand muss man auch noch Geld für Karte und Briefmarke zahlen.

Altmodisch, zeitaufwendig, teuer, un-hip.

Dennoch mag ich Postkarten.

Gerade dieser Aufwand zeigt dem Empfänger, dass man an ihn gedacht hat und dass man ihn (oder sie) besonders wertschätzt. [Natürlich gibt es Menschen, für die Postkartenschreiben an alle Freunde, Verwandte & Bekannte eine lästige Urlaubspflicht ist - den Fall meine ich nicht!]
Es ist persönlicher. Die Karte ist eine bestimmte Person adressiert, kein Kommentar an alle dreihundertzwölfzig Facebook-Freunde. Die Schrift eines anderen Menschen auf einer Karte zu sehen ist etwas ganz anderes als eine SMS in Arial oder Times New Roman zu bekommen.
Hinzu kommt ein kleiner Entschleunigungsaspekt. Man hält kurz inne, sucht die richtigen Worte, versucht einigermassen ordentlich zu schreiben. Die Post kommt auch nur einmal am Tag (bei dieser Vorstellung bekommen Facebooker und Twitterer gerade Magenkrämpfe).
Die Postkarte bleibt, man kann sie in die Hand nehmen oder auch als Lesezeichen zweckentfremden.

Ich habe mich über meine letzte erhaltene Postkarte sehr gefreut. Jemand hatte an mich gedacht.